Wieder Maiandacht in Schönborn

Im Mai – so sagt man oft – trägt die Natur ihr Festgewand. Viele Pflanzen blühen, alles sprießt und wächst. Das empfinden wir als schön, einfach schön. Der Mai ist in der christlichen Tradition auch eine Zeit der besonderen Marienverehrung.
So ist der Monat Mai, in der katholischen Kirche in besonderer Weise der Verehrung der Gottesmutter Maria gewidmet. Hinweise auf Maiandachten gibt es bereits im Mittelalter. Dass man aber den ganzen Mai hindurch täglich oder häufig Gebete der Mutter Jesu weihte, ist das Ergebnis einer Entwicklung, die erst im 17. Jahrhundert eingesetzt hat. Im 18. Jahrhundert verbreitete sich diese Andachtsform weltweit in der katholischen Kirche.
Früher zählten Maiandachten ähnlich wie die Christmette und die Osternacht zu den Leuchtpunkten des Jahreslaufs der Katholiken.
Heute kennen viele diesen kirchlichen Brauch gar nicht mehr. Gerade am Ende der Kindheit boten Maiandachten erste willkommene Gelegenheiten für Jugendliche und Ministranten, um am Abend länger aus dem Haus zu bleiben. So wie heute noch in vielen Pfarreien und Diözesen spezielle Wortgottesdienste zu Ehren der heiligen Maria gepflegt werden, fanden auch nach vielen Jahrzehnten in der St. Franziskuskirche in Schönborn wieder Maiandachten statt. Da neuerdings die Schönborner Franziskus – Kirche am Freitag von 17.00-19.00 Uhr geöffnet ist, lud Monsignore Winfried Pilz, in diesem Jahr zu vier Maiandachten in die Schönborner Kirche ein. Was bescheiden – mit vier Teilnehmern begann, waren bei der dritten Maiandacht bereits 15 Teilnehmer gekommen. Einer dieser Teilnehmer, jetzt in Leutersdorf daheim, erzählte: „Genau vor 73 Jahren bin ich einmal barfuß in die Kirche gekommen, um zu ministrieren. Das ließ der Pfarrer nicht zu, und ich musste unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen.“ Umso mehr beeindruckt uns seine über nunmehr viele jahrzehntelange Treue zu unserer Heimatkirche.

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Übrigens: auch Sankt Franziskus auf dem Gemälde des Hochaltars hat noch nicht einmal Sandalen an. Wie konnte er da nur in den Himmel zugelassen werden!?
Monsignore Winfried Pilz mit einem Augenzwinkern!

Nacht der Kirchen

Ich weiß nicht, ob es in unserem Gebiet eine andere Stadt gibt, die sich gleich mit fünf Kirchen rühmen kann. Da ist es schade, dass sich schon seit langem keine davon der Aktion „Nacht der Kirchen“(Noc kostelů) anschließt, die in ganz Tschechien stattfindet.

Eine Art „Ehrenrettung“für Varnsdorf war heuer die neoromanische Kirche des heiligen Franziskus von Assisi auf Studanka (früher Schönborn). Dort war ein Programm vorbereitet, auch mit Engagierten von auswärts. So waren mit dabei Herr Heinrich Hille, Initiator der Kirchensanierung, und Monsignore Winfried Pilz, der sich um die geistliche Gestaltung kümmerte. Ihm ist es auch zu verdanken, dass die kleine Kapelle am Eingang mit Bänken und einem Assisi-Kreuz neu gestaltet wurde.

Übersetzung aus der tschechischen Sprache
Artikel von Ivo Šafus

Heimkehr – Maria Henke

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„Nun durch die Bergeseinsamkeit
Sie wie zum Himmel steigen,
Kein Glockenklang mehr reicht so weit,
Sie sehn im öden Schweigen
Die Länder hinter sich verblühn,
Schon Sterne durch die Wipfel glühn.“
(aus „Letzte Heimkehr“ von Joseph Freiherr von Eichendorff)


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Mit einem bewegenden Trauergottesdienst haben wir in der Kirche des Hl. Franz von Assisi in Studanka/ Schönborn am Samstag, den 30. November, von unserer Maria Henke Abschied genommen.

Hinterbliebene, Freunde, Nachbarn, die Kirchengemeinde, die Mitglieder unseres Fördervereins Kirchensanierung Schönborn und viele Menschen aus der Umgebung hatten sich in der Kirche versammelt, um mit dieser Gedenkfeier an Maria Henke zu erinnern und das Leben und Wirken unserer „Minke“ zu würdigen.

Eingeleitet vom Posaunenchor und begleitet durch Orgelspiel und den Kirchenchor wurde der

Trauergottesdienst von Pater Kudelka in tschechischer Sprache mit Danksagung und Segensgebeten zelebriert.

Mit der Gesangsdarbietung „Flieg Gedanke“ des Gefangenenchors, aus Verdis Oper Nabucco, trugen die Sängerinnen und Sänger des Kirchenchores der Stadt Varnsdorf, unter der Leitung von Frau Matysova, zu einer unvergleichlichen Atmosphäre der Zuversicht und Hoffnung bei.

In der Predigt wurde all der Menschen gedacht, die von uns gegangen sind: jener, die von heute auf morgen mitten aus dem Leben herausgerissen wurden, und jener, die nach langem Leiden endlich an ihrem Ziel angekommen sind. Auch Maria Henkes langer Lebensweg hat sich nun nach 100 Jahren vollendet: sie ist am Ziel, in die ewige Herrlichkeit heimgekehrt.“

In sehr persönlicher Weise würdigte Monsignore Winfried Pilz die wesentlichen Stationen des Lebens der Verstorbenen. Er sprach warmherzig über sein erstes persönliches Zusammentreffen mit Maria Henke auf dem Schönborner Friedhof und über ihre langjährige Freundschaft und die wundervollen Briefe, die sie ihm in der ihr eigenen Schönschrift und mit stets bei klarem Verstand geschrieben hat. Monsignore Pilz erinnerte dabei auch an ihren Mut und ihre Hoffnung sowie ihren unverwechselbaren Beitrag zur Versöhnung zwischen den tschechischen und den deutschen Mitbürgern in Studanka/ Schönborn sowie den Heimatvertriebenen in ganz Deutschland.

Zum Abschluss des Trauergottesdiensts wurde in der mit einer großen Trauerkerze und vielen Blumen, Kränzen und Grabgestecken geschmückten Sarg in der Kirche gemeinsam das Vaterunser gesprochen.

Nach der Trauerfeier begleitete die Trauergemeinde Maria Henke in einem Trauerzug auf den Schönborner Friedhof zur Grablegung.

Beim Absenken des Sarges wurde vielen der annähernd 200 Trauergästen noch einmal spürbar bewusst, mit welcher Hingabe und welchen Mühen Maria Henke, „unserer Minke“, für den Erhalt und der Pflege des Friedhofes, der nun auch ihre letzten Ruhestätte ist, in all den Jahrzehnten ihres Wirkens gesorgt hat.

„Liebe Maria Henke,
alles Gute von uns geben wir dir gern mit auf den Weg, und alles Gute von Gott wünschen wir dir dazu, seinen Trost, sein Erbarmen, seine Vergebung, seinen Schutz, seine Gnade auch und seine Kraft, dass er dir grenzenlosen Frieden schenke, innige Geborgenheit, eine ewige Heimat und seine bedingungslose Liebe. Möge das alles, was Du uns gegeben hast und was Dir wichtig war, wie Samen aufgehen, wachsen und gute Früchte tragen. Mit diesem Segensgebet und den guten Wünschen verneigen wir uns vor Dir und nehmen Abschied von Dir“.

Mit Weitsicht, Mut, visionärer Kraft und Leidenschaft hat Maria Henke entscheidend dazu beigetragen, dass unser gemeinsames Projekt Kirchensanierung der Kirche des „Heiligen Franz von Assisi“ in Studanka/ Schönborn im ersten Bauabschnitt verwirklicht wurde. Sie war froh und stolz darauf, dass sie die Sanierung des Kirchturmes noch erleben durfte.

Im Andenken an Maria Henke und an ihr Wirken um den Erhalt der unvergessenen Heimatkirche des „Heiligen Franz von Assisi“ in Studanka/Schönborn bitten wir alle, die Sanierung des Gotteshauses in einem zweiten Bauabschnitt durch Ihre Spenden weiterhin zu unterstützen!

Spenden-Konto
IBAN: DE75800537620385319648
BIC: NOLADE21HAL

Der Vorstand und die Mitglieder des Fördervereins
“Kirchensanierung-Schönborn / Studanka”.

Trauerfeier für Maria Henke

Am Samstag, den 29. November 2014 um 13 Uhr werden wir feierlich in der Kirche des Heiligen Franz von Assisi in Studanka/Schönborn von Frau Maria Henke, unserer Ehrenvorsitzenden „Minke“ feierlich Abschied nehmen. Anschließend wird Frau Maria Henke auf dem Friedhof in Studanka/Schönborn, den sie jahrzehntelang gepflegt und erhalten hat, beigesetzt.

Nachruf für Maria Henke – † 22. November 2014

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Man sieht die Sonne langsam
untergehen und erschrickt doch,
wenn es plötzlich dunkel ist.

(Franz Kafka)

Wir nehmen Abschied von unserer „Minke“

Minke Foto

Wir nehmen Abschied von unserer Maria Henke, Ehrenvorsitzende und Mitglied des Fördervereins “Kirchensanierung-Schönborn / Studanka”. Gestern, am 22. November 2014,ist sie für immer von uns gegangen.
Wir verneigen uns vor einer großen Persönlichkeit, Sie wird uns fehlen! Nichts mehr wird so sein wie früher. Da wird immer eine Lücke bleiben, die Minke hinterlässt.
Unsere „Minke“, wie wir sie voller Zuneigung und Respekt nennen durften, konnte auf 100 Jahre bewegtes Leben zurückblicken.
Sie ging ihren Lebensweg stets mutig, mit Gottvertrauen und immer mit dem Blick
nach vorn. Das konnte sie, weil sie stets hoffnungsvoll und fest in ihrem Glauben
verankert war.

Der Text Psalm 23 würde ihr sicherlich aus dem Herzen sprechen:

Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue
und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Wenn wir auf ihr langes Leben blicken, sehen wir ihre Wünsche und Hoffnungen, von denen sich manche erfüllten. Mit ihrer einmaligen Lebensgeschichte war sie eine Bereicherung für alle.
Maria Henke hat mit Elan und Tatkraft vielen Generationen „Brücken“ gebaut. Ihr ganzes Leben hat sie im Glauben an Gott als Dienst von Mensch zu Mensch aufgefasst, um stets zu helfen, wo Hilfe nötig war. Als die ”gute Seele” der Kirchgemeinde in Schönborn hat sie sich verlässlich und doch so bescheiden in all den vielen Jahren um den Erhalt der Kirche des „Heiligen Franz von Assisi“ und des Friedhofs in Schönborn gekümmert. Dafür, liebe Minke, unseren Dank und ein großes “Vergelt´s Gott”.
Dennoch ist Maria Henke in ihrer letzten Lebensphase sehr viel zugemutet worden, Denn zuletzt mangelte es an Gesundheit, an Kraft, an Freude. Stattdessen waren da Krankheit, unsagbares Leid und Schmerzen.
Sie ist nicht mehr da und ist doch bleibt sie uns ganz nah. Denn Minke wird ewig in unseren Gedanken, in unseren Erinnerungen und in unsere Herzen sein. Da hat sie nun ihren Platz und wir erinnern uns an glückliche Stunden mit ihr in unserer Mitte, an Gottesdienste, lustige Erlebnisse, an Feste und Feierlichkeiten mit ihr; und eben auch Erinnerungen an Krankheit, Leid und schwere Stunden.

Einschlafen dürfen, wenn man müde ist,
und eine Last fallen lassen dürfen,
die man lange getragen hat,
das ist eine köstliche wunderbare Sache.
(Hermann Hesse)

Wir geben unserer Minke alle guten Wünsche mit auf den Weg, den sie nun geht. Wir wollen uns gern an sie erinnern: als eine Frau voller Lebenskraft, voller Liebe und Engagement für ihre Heimat.
Wir werden Maria Henke als einmalig starke Frau in unserer Erinnerung behalten. Denn das war sie für uns. Darum sagen wir mitten in die Trauer hinein: Wir werden unsere Minke nicht vergessen. Wir erinnern wir uns an Minke und beten für sie.

Danke!

Danke an den Gott, der ihr das Leben schenkte und sie stets begleitete.
Danke, dass wir sie bei uns haben durften.
Danke für alle Liebe, danke für alles, was sie uns gegeben hat.

Der Vorstand und die Mitglieder des Fördervereins “Kirchensanierung-Schönborn / Studanka”.

Franziskus – gleich zwei Mal

Schönborn 3. Oktober

Eindrucksvoll strahlte die Sonne des späten Nachmittags in die Schönborner Kirche des heiligen Franz von Assisi herein, als sich wieder eine kleine deutsch-tschechische Gemeinde versammelte, um den „Poverello“, den Bruder der Armen, am Vorabend seines Festes zu ehren.
Trompete und Geige (Vater und Tochter aus Schirgiswalde) begleiteten den Gesang derer, die sich vom Schönborn und aus Leutersdorf eingefunden hatten. Lehrer Jiří Podlešák aus Warnsdorf hatte zwei franziskanische Segens-Kanons ins Tschechische übersetzt, ebenso Verse des „Laudato si“, des bekannten Sonnengesangs. So konnten alle in ihrer Sprache einstimmen.
In der Predigt konnte ich erneut die Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass die Bemühungen, die schöne Kirche „an der Straße nach Prag“ zu beleben und auch baulich zu sanieren, sich mit der Zeit segensreich auswirken. So wie das weiße Gotteshaus weithin sichtbar ist, schien auch schon die kleine Flamme der Franziskuskerze als Symbol der Hoffnung zu sagen: Aus einem kleinen Neuanfang kann Größeres werden.
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Leutersdorf, 5. Oktober

In Sichtweite des böhmischen Bergpanoramas (7 km Luftlinie von Schönborn) haben wir dann zu Ehren des heiligen Franziskus eine Eiche gepflanzt. Der Standort könnte nicht besser sein. Auf der Höhe des Leutersdorfer Wacheberges, am obersten Windrad, geht des Blick rundherum in die Weite, geleitet von einer sorgfältig gestalteten Schautafel und neuerdings erleichtert durch eine „Karasek“-Bank, die zum Rasten einlädt. An der Grenzlinie des „Biehmschen Dörfels“ (früher ein Stück Böhmen in Sachsen) grüßt die Eiche den Kirchturm „da drüben“.
Mit dem Leutersdorfer Pfarrer Andrzej Glombitza habe ich den jungen Baum zur Mittagszeit gesegnet. Mit anderen Leutersdorfern war Bürgermeister Bruno Scholze eigens gekommen; er setzt sich für die Neubepflanzung längs des Wacheweges ein. In einer kurzen Rede sagte er: „Diese Bäume werden uns überleben.“ Und er schilderte, wie es vor Jahren gelungen ist, den Bau der großen Fernstraße genau an dieser Stelle durch eine bessere Lösung zu verhindern. Die Straße, die jetzt einen halben Kilometer weiter an Leutersdorf vorbeiführt, von Neugersdorf zwischen Rumburg und Seifhennersdorf hindurch, hätte über eine große Brücke das Tal überquert und – mit viel Aufwand – dieses herrliche Panorama zerschnitten. Bürgermeister Scholze hat augenzwinkernd angekündigt, er werde vielleicht mit dem Leutersdorfer Wegewart, Herrn Dietmar Eichhorn, wandernd eine Möglichkeit erkunden, eine Art Pilgerpfad von der Franziskus-Eiche zur Franziskus-Kirche zu erschließen. Eine solche lebendige Brücke über die Grenze hinweg wäre zwar bescheidener, doch in der Tat „bewegender“ als eine gewaltige Baukonstruktion.

Msgr. Winfried Pilz

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Würdigung von Maria Henke zum 100. Geburtstag

Maria Henke

Ein 100. Geburtstag ist immer etwas ganz Besonderes. Der 22. Januar 2014 war so ein besonderer Tag für Maria Henke in Schönborn. Unsere Ehrenvorsitzende wurde am 22. Januar 100 Jahre alt.
Liebe hochverehrte “Minke” wie wir dich voller Zuneigung und Respekt nennen dürfen. Du stehst auf einer hohen Stufe deines Lebensalters und übersiehst mit erfahrenem Auge einen langen und auch schweren Lebenszeitraum. Aber mit deiner Ausdauer, Geduld und Stärke hast du es bis zur 100. Lebensstufe geschafft. Aus diesem Anlass möchten wir dir recht herzlich gratulieren, Gesundheit und alles erdenkliche Liebe und Gute wünschen. Vor allem danken wir dir, unserer Ehrenvorsitzenden und unserem zugleich ältesten Mitglied für dein großartiges Engagement in unserem Förderverein “Kirchensanierung-Schönborn / Studanka”. Herzlich freuen wir uns mit dir gemeinsam, dass du durch Gottes Güte von neuem den Tag erleben durftest, an welchem du vor 100 Jahren das Licht der Welt erblickt hast. Der Vorstand und alle Mitglieder, Förderer und Spender des Fördervereins sind sehr stolz auf dich. Deine beiden Söhne, Hannes und Wenzel und die vier Enkelkinder, sind stolz darauf, eine so gute Mutter und ehrwürdige Großmutter zu besitzen.

Was wünscht man einem Geburtstagskind mit 100 Jahren, das ein ganzes Jahrhundert Geschichte miterleben durfte? Mit welcher Gelassenheit und Zufriedenheit kannst du auf die verflossenen 100 Lebensjahre zurückblicken? Eine kleine Rückschau soll darauf eine Antwort versuchen.

In deinem Leben gab es sicher viele glückliche Momente, aber auch sehr unangenehme, vor allem historisch schreckliche Ereignisse. Es reflektiert beinahe das ganze 20. Jahrhundert und ist daher ein beredtes Zeugnis dieser Zeit. Es lädt uns geradezu ein zu einer außerordentlichen Zeitreise; und so wollen wir uns an einige Stationen auf dem Lebensweg von Maria Henke mit Hochachtung und Dankbarkeit erinnern. Unsere Zeitreise und unseren Blick starten wir mit dem Beginn deines Lebensweges in Schönborn, dem heutigen Studanka.
Du, liebe Minke, wurdest am 22.Januar 1914, an einem Donnerstag, als eines von 5 Kindern der Familie Kaufmann in Schönborn geboren. Laut Wetteraufzeichnung war es an diesem Wintertag erheblich zu kalt. Der 22. Januar 1914 war nicht nur ein Kalenderblatt in der Geschichte. An diesem Tag wurde vom Zeppelin-Luftschiff „Sachsen“ der Postdienst nach Helgoland aufgenommen und im Januar ließ Henry Ford seine Autoproduktion in Amerika erstmalig in der Welt auf Fließbandfertigung umstellen. Beides war ein bedeutender industrieller Fortschritt. Es war aber auch die Zeit der wirtschaftlichen Not, der Massen-arbeitslosigkeit und des sozialen Elends von dem besonders auch die deutschen Siedlungsgebiete im Sudetenland betroffen waren. Schließlich wütete über dem europäischen Kontinent von 1914 bis 1918 der Erste Weltkrieg, der das Ende des deutschen Kaiserreiches einläutete.
Von bestimmendem Einfluss für deinen Lebensweg waren ohne Zweifel die christlichen Werte und Überzeugungen in deinem Elternhaus. Es war die Zeit als Papst Pius X., sein Reform-Pontifikat mit dem Anliegen, der Religion innerhalb der Gesellschaft eine größere Wirksamkeit zu verschaffen, begann. Dem Christentum fühltest du dich immer nah, bekamst Werte wie Gottvertrauen und Nächstenliebe quasi in die Wiege gelegt. Und das, so vermuten wir, wird auch der Grund sein, warum der liebe Gott dich, verehrte Minke, 100 Jahre alt werden ließ.
Nach deiner von Hunger und Not geprägten Kindheit begann mit deinem 10. Lebensjahr gegen Ende des Jahres 1924 eine weltweite wirtschaftliche Stabilisierung, eine Zeitspanne, die als die »Goldenen Zwanziger« in die Geschichte eingeht. Das „Gold“ der 20-iger Jahre hat seinen Weg sicher nie bis nach Schönborn gefunden und so bist du in deiner Jugend dem Schönborner Arbeiterturnverein beigetreten. Schon um die Jahrhundertwende hatte der Turnverein im Sudetenland mehr als 1000 Mitglieder. Die Turner waren auch in den umliegenden Dörfern tätig und förderten dort den Turnsport, so dass sich daraus sehr bald eigenes Vereinsleben entwickeln konnte. Deine Mitwirkung für Gesundheit und Frohsinn im Turnverein zählte sicher mit zu den unbekümmerten und schönen Momenten in deiner Jugendzeit. Denn bereits 1934, als du, liebe Minke, deinen 20. Geburtstag gefeiert hast, war der Rüstungswettlauf trotz aller Appelle und beschönigenden Reden von Politikern der großen Mächte in vollem Gange. Nicht nur das Sudetenland, sondern ganz Europa und die ganze Welt wurde vom Strudel der Kriegsereignisse erfasst. Der Stein war geworfen, und es schien nicht nur, sondern es war auch so, dass die Woge des Hasses und der Gewalt nun überall überzuschwappen begann. Dein unerschütterlicher Glaube an Gott war mehr als nur ein Haltegriff in diesen schwierigen Zeiten und dein Glauben hat dich, verehrte Minke, zu einem Leben befähigt, in dem die Hoffnung größer war als die Angst. In der Ehe mit Hans Henke und der Geburt deiner beiden Söhne Hannes und Wenzel findest du, verehrte Maria Henke, den familiären Rückhalt und das kleine Glück in deinem Privatleben.
Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges und der sudetendeutschen Tragödie durften von den 3 Millionen Heimatvertriebenen nur noch rund 250.000 Deutsche mit eingeschränkten Bürgerrechten bleiben und wurden zum Teil zur Zwangsarbeit eingesetzt. Zurückbleiben mussten vor allem zahllose Facharbeiter aus der Industrie. Die Rechte der Minderheiten, allen voran die der Sudetendeutschen, wurden beschnitten und die Deutschen wurden zu Bürgern 2. Klasse. Laut den Angaben der Volkszählung von 1950 gab es zu diesem Zeitpunkt in der Tschechoslowakei noch ca. 165.100 Menschen die deutsch als Nationalität angaben. Sie erhielten die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft erst 1953 zurück, die sie genauso wie die Heimatvertriebenen verloren hatten. Im Jahre 2001 gab es im Gebiet Aussig und Karlsbad sowie insgesamt im früheren Gebiet Mähren-Schlesien gerade noch 38.321 Angehörige der deutschen Minderheit. Beide Völker büßen heute noch für eine Schuld, die ihnen keiner erklären konnte.
Jeder Mensch ist mit seiner einmaligen Lebensgeschichte eine Bereicherung für alle. So arbeitete unsere Maria Henke seit 1945 bis zu ihrem Rentenalter im Schönborner Gemischtwarenladen, einer Art „Konsum“.
Mit kluger Weitsicht und sicherem Gespür für das was Jung und Alt in Schönborn und umliegenden Gemeinden wünschen und brauchen, hast du, liebe Minke, als vielgeachtete Verkäuferin Bewundernswertes erreicht. Darüber hinaus hast du stets mit Elan und Tatkraft „Generationen-Brücken“ gebaut, indem du den „Daheim Gebliebenen“, die der tschechischen Sprache nicht mächtig waren, stets geholfen und sie liebevoll betreut hast.
Dein ganzes Leben hast du als Dienst im Glauben an Gott von Mensch zu Mensch aufgefasst, um stets zu helfen, wo Hilfe nötig ist. Du wollte kein Vorbild sein, sondern schlicht, konsequent und mit Empathie dem Vorbild eines Jesus folgen, der sich um die Mühseligen und Beladenen kümmerte.
Als ”gute Seele”, der Kirchgemeinde in Schönborn hast du dich verlässlich und doch so bescheiden seit vielen, vielen Jahren um den Erhalt des Friedhofs in Schönborn gekümmert und bist immer eng mit der Kirche des Heiligen Franz von Assisi in Schönborn verbunden geblieben. Dafür, liebe Minke, unseren Dank und ein großes “Vergelt´s Gott”. Auch in der Partnerstadt Böblingen wurde dein bleibendes Engagement für den Schönborner Friedhof nachhaltig bekannt und so erfolgte die Anerkennung deines „Lebenswerkes“ mit der Silbernen Ehrennadel der Stadt Böblingen. Die Pflege und Instandhaltung der Gräber der verstorbenen Angehörigen der Heimatvertriebenen, die Ordnung und Sauberkeit auf dem Schönborner Friedhof war und ist dir auch heute noch eine Herzensangelegenheit und so trägt der Schönborner Friedhof mit zahlreichen Facetten deine Handschrift, verehrte Minke.
Deine humorvolle Offenheit und dein christlicher Glauben ermöglichten, dass immer wieder Brücken zwischen den Verantwortlichen der Kirche in Varnsdorf und den einfachen Gemeindemitgliedern in Schönborn gebaut wurden.
Liebe Minke, mit deiner Menschenkenntnis und Sensibilität, mit deiner Tatkraft und deiner Bodenständigkeit ist es dir gelungen in all den Jahren die zahlreichen Gottesdienste und Kirchenfeste in Schönborn zu organisieren und zu finanzieren. All dies hat dazu beigetragen, dass du deine persönliche Lebensleistung mit so großem Fleiß und mit viel Geschick im Umgang mit Menschen und mit allen deinen Wegbegleitern und Wegbegleiterinnen wie zum Beispiel mit der Familie Traudl und Erich Bena erfolgreich gemeistert hast. Auch ihnen gebühren unser Dank und unsere Anerkennung. Einen ganz besonderen Dank hat sich dein engster Familienkreis mit deinem Sohn Hannes und seiner Frau Halina, den Enkeln Karin und Hannes jr. und deren Ehepartnern Tomas und Petra verdient, die dich, liebe Minke, an deinem Lebensabend liebevoll umsorgen und pflegen.
Nochmals ganz herzlichen Dank für dein großes persönliches Engagement und hohe Anerkennung für dein vorbildliches Wirken für das christliche Gemeindeleben in unserer Heimatkirche des Heiligen Franz von Assisi in Schönborn / Studanka.
Verehrte Jubilarin, Maria Henke, wenn Herz und Vernunft übereinstimmen, gibt es einen Weg der Hoffnung. So hast du nie die Verbindung zu den sudetendeutschen Heimatvertriebenen abreißen lassen. Du hast bewiesen, dass der Blick auf geschichtliche und tragische Ereignisse menschliches Verständnis, Versöhnung und die gemeinsame Bewältigung von belastenden Erlebnissen stets Vorrang haben muss. So hast du den „Förderverein Kirchensanierung Schönborn“ von Anfang an begleitet. Es wurde zu deiner Herzens-angelegenheit, die Sanierung des Kirchturmes unserer Heimatkirche aktiv durch die Sammlung vieler Spenden zu unterstützen. Das gemeinsame Ziel, den Kirchturm der Kirche des Heiligen Franz von Assisi in Schönborn/Studanka auch in einem weiteren zweiten Bauabschnitt zu sanieren, ist auch ein Beitrag dafür, durch gemeinsames Zusammenwirken das zu überwinden, was uns in der Vergangenheit getrennt hat. Unter Deutschen und Tschechen sind die Menschen guten Willens in der Überzahl. Die gemeinsamen Gottesdienste und Kirchenfeste der letzten 8 Jahre in Schönborn / Studanka zeigen deutlich das Bemühen beider Seiten um Versöhnung und durch Gespräche, Begegnungen und Hilfe alte Vorurteile abzubauen und die Annäherung zwischen Deutschen und Tschechen zu fördern. Nur so kann die deutsch-tschechische Nachbarschaft gelingen! Ganz im Sinne der Ringparabel in „Nathan der Weise“ des großen deutschen Aufklärers Gotthold Ephraim Lessing, welcher ebenfalls wie du, unsere hochverehrte Jubilarin Maria Henke, am 22. Januar geboren wurde und dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 285. Mal jährt, ist die darin enthaltene Aufforderung zu Menschlichkeit und Toleranz der verschiedenen Religionen und aller Menschen untereinander hoch aktuell.
In diesem Sinne gratulieren wir dir, verehrte Maria Henke, zu deinem 100. Geburtstag und danken dir als unserem Ehrenmitglied des Fördervereins „Kirchensanierung Schönborn e.V.“, den du stets mit großem persönlichem Einsatz aktiv gefördert hast herzlich für dein herausragendes Wirken.

Weihe eines besonderen Kreuzes

Das Kreuz ist eines der Hauptsinnzeichen des Christentums. Es symbolisiert zum einen den Opfertod Jesu Christi. Zum anderen symbolisiert es die Verbundenheit des Menschen mit der Erde und den Mitmenschen (waagerechte Achse des Kreuzes), sowie mit dem Göttlichen (senkrechte Achse des Kreuzes). Heute ist das Kreuz besonders als Zeichen des Christentums verbreitet und wurde 431 durch das Konzil von Ephesos offiziell als christliches Zeichen eingeführt. Auch an der Kirche des Heiligen Franz von Assisi auf einer Anhöhe in Studanka, dem früheren Schönborn, wurde mit der ersten Kirchweihe vor 141 Jahren an der Straßenseite ein Kreuz angebracht, welches die vorbeigehenden Menschen aufrief , in die Kirche einzutreten und zu verweilen. Dieses symbolträchtige Kreuz ist leider den Kriegswirren zum Opfer gefallen. Dem Tischlermeister Frank Herbrich, der als Ururenkel des ehemaligen Schönborner Gemeindevorstandes und Ebersbacher Tischlermeisters die Tischlerei in Ebersbach nunmehr in vierter Generation führt, ist die “Auferstehung des neuen historischen Kreuzes“ an der Schönborner Heimatkirche in Studanka zu verdanken. Mit seinen geschickten Händen schuf er unter Mithilfe seiner Ehefrau nach den Originalunterlagen seines Ururgroßvaters von 1871 das neue Kreuz an der Außenseite der Kirche des Heiligen Franz von Assisi. Die Familie Herbrich stellte die massiven, wetterbeständigen Eichenbohlen zur Verfügung. Sie geben dem Kreuz eine lange Lebensdauer. Deshalb gilt unser aller Dank dem Tischlermeister aus Ebersbach und seiner Frau, die dieses wunderschöne monumentale Kreuz als ihren Beitrag zur Sanierung der Schönborner Heimatkirche stifteten. Am Sonntag, den 18. August 2013 trafen sich nach nunmehr 141 Jahren mehr als 150 Gläubige aus Nah und Fern zu einem feierlichen Gottesdienst anlässlich der besonderen Kreuzweihe in Studanka/Schönborn. Den feierlichen Gottesdienst zelebrierten der Dechant der Warnsdorfer Kirche Herr Alexej Balacz in tschechischer Sprache und Monsignore Winfried Pilz in deutscher Sprache als Zeichen des wachsenden Verstehens der Gemeinsamkeiten beider Länder. Für die feierliche Umrahmung sorgte der Chor der Warnsdorfer Kirche mit ausgewählten Liedern aus der Schubertmesse. Der Himmel hatte den Schönborner und ihren Gästen aus den umliegenden Kirchgemeinden und den aus der Ferne angereisten Heimatfreunden schönes Wetter beschert und so wurde nach dem Gottesdienst die besondere Kreuzweihe mit einer Andacht durch den Hausherrn der Kirche, Dechant Balacz, und unserem Heimatfreund, Monsignore Winfried Pilz, gemeinsam mit allen Teilnehmern unter freiem Himmel vorgenommen und unsere Heimatkirche mit einem wunderschönen originalgetreu gestalteten Christuskreuz aufgewertet. Wir haben nun wieder an unserer Heimatkirche, das Zeichen des Kreuzes, welches schon zur ersten Kirchweih im Jahre 1871 Wanderer aufrief in die Kirche einzutreten und zu verweilen. Damit es wieder so sein kann, wird ein Schild in tschechischer und deutscher Sprache verkünden, dass unser Heimatfreund Herr Monsignore Pilz freitags die Kirche öffnet und damit Gäste zum Gebet und zum Gespräch einlädt und die Möglichkeit besteht, eine Kerze zum Gedenken anzuzünden. Unser Vorsitzender des Fördervereins, Herr Heinrich Hille bedankt sich bei allen Spendern und bittet alle Freunde der Schönborner Kirche in Studanka um weitere Spenden für den 2. Bauabschnitt auf das bekannte Konto Nr.; 385319648 (IBAN: DE75 8005 3762 0385 3196 48) Bankleitzahl: 80053762 (BIC: NOLADE21HAL) bei der Saalesparkasse Halle.

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Kirchen sind ein gesamtgesellschaftliches Kulturgut, für das wir die Verantwortung tragen!

Zum Jahreswechsel

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Ein neues Jahr heißt neue Hoffnung, neues Licht, neue Gedanken und neue Wege zum Ziel… Einen guten Start ins Jahr 2014 wünschen wir allen Mitglieder, Freunden und Sympathisanten des Fördervereins „Kirchensanierung Schönborn“  Der Vorstand

 

Der Vorstand

Franziskus I. – ein Signal der Hoffnung

Über den Namen des neuen Papstes, Franziskus I., können sich die Freunde der Kirche auf dem Schönborn /Warnsdorf freuen. Zum ersten Mal in der Kirchengeschichte nennt sich ein Papst nach dem Bruder der Armen, dem „Poverello“ aus Assisi. Eben nach diesem ist auch die Schönborner Kirche seit 140 Jahren benannt. Ein aktiver Förderkreis bemüht sich darum, dass dieses Gotteshaus saniert und wieder mit Leben erfüllt wird.

Spontan sagte Monsignore Winfried Pilz, der dem Kreis angehört: „Franziskus“ – das ist ein Programm. Jemand hat es einmal „gelebte Zukunft“ genannt. Da können die Menschen auf dem Schönborn, die dort – in sehr bescheidenen Verhältnissen, zugleich aber inmitten einer wunderschönen Natur – bis heute standgehalten haben, neu ermutigt werden. Den Sonnengesang unseres heiligen Franziskus haben wir beim letzten Kirchenfest gesungen – italienisch „Laudatio si“, damit Deutsche wie Tschechen leicht miteinander einstimmen konnten.



Leuchtend wie das Frührot und „Wie der Morgenstern“ (Sir 50,6),

ja wie die aufgehende Sonne die Welt

mit glühenden Strömen des Lichts überflutet

zu ihrer Fruchtbarkeit,

so erschien Franz in seinem Aufbruch gleich einem neuartigen Licht.

Beim Aufgang dieser Sonne lag die Welt

gewissermaßen in winterlichem Frost erstarrt,

in Finsternis und bar des Lebens.

Sein Wort und seine Tat waren wie ein Leuchten:

Die Wahrheit strahlt,

die Liebe flammt,

die Tugend, vieler Verdienste Mutter,

hat eine Kraft zur Weckung neuen, schöneren Leben.

Welch staunenswerte Fruchtbarkeit!

Es war wie der Einzug des Frühlings in die Welt.

Giovanni von Ceorano

„Drei-Gefährten-Legende“

(zwischen 1241 und 1246)